Vier Fragen zur Ersteinstufung
Der Marktzugang in Japan ist kein einzelner Zertifizierungsantrag. Welche Verfahren gelten, hängt von Funktion, Stromversorgung, Zielgruppe, Produktversprechen und dem verantwortlichen Marktteilnehmer ab. Dieser länderweite Leitfaden hilft, parallele Regelwerke vor Prüfaufträgen und Etikettendruck zu erkennen. Die abschließende Einstufung muss anhand des konkreten Modells und Vertriebswegs erfolgen.
Vier Fragen zur Ersteinstufung
Halten Sie diese Angaben für jede Artikelnummer (SKU) einschließlich Zubehör fest. Produktbezeichnung und ausländische CE- oder FCC-Nachweise belegen die japanische Anwendbarkeit nicht.
- Welchem Zweck dient das Produkt und welche Wirkung wird behauptet: Haushaltsware, Lebensmittelkontaktmaterial, Lebensmittel, Kosmetikum, Medizinprodukt, Chemikalie oder andere regulierte Kategorie?
- Hat es Netzanschluss, ein relevantes Netzteil oder eine Batterie, sendet es Funksignale oder verbindet es sich mit einem öffentlichen Telekommunikationsnetz?
- Ist es für Kleinkinder oder andere gesetzlich erfasste Nutzer bestimmt? Prüfen Sie Altersangaben und die genaue Produktdefinition statt nur die Werbekategorie.
- Wer produziert, importiert und verkauft es? Erfolgt die Lieferung über einen japanischen Importeur oder direkt durch ein ausländisches Unternehmen an Verbraucher in Japan?
Entscheidungsmatrix für japanische Regelwerke
Die folgenden Merkmale lösen eine Prüfung aus, bedeuten aber nicht, dass jedes genannte Produkt eine Kennzeichnung benötigt. Mehrere Regelwerke können gleichzeitig gelten; maßgeblich sind die gesetzlichen Begriffe und technischen Eigenschaften.
| Produktmerkmal und federführendes Regelwerk | Vor dem Verkauf zu klärende Frage |
|---|---|
| Elektrisches Gerät oder erfasstes Bauteil — METI / japanisches Gesetz über die Sicherheit elektrischer Geräte und Materialien (Electrical Appliances and Materials Safety Act, PSE) | Ist die konkrete Ware gelistet und als spezifiziert oder nicht spezifiziert eingestuft? Falls erfasst, Meldepflichtigen, Eigenprüfung und Kennzeichnung festlegen; spezifizierte Waren benötigen zusätzlich die Bewertung einer registrierten Stelle. |
| Funksender oder Telekommunikationsendgerät — MIC / japanisches Funkgesetz (Radio Law) und gegebenenfalls Telekommunikationsgesetz (Telecommunications Business Act) | Funktechnik, Frequenzbänder, Antennen und Netzanschluss erfassen. Prüfen, ob und welcher technische Konformitätsweg anwendbar ist; PSE oder eine ausländische Funkzulassung ersetzt ihn nicht. |
| Erfasstes Verbraucher- oder Kindersicherheitsprodukt — METI / japanisches Verbrauchergütersicherheitsgesetz (Consumer Product Safety Act, PSC) | Die aktuelle Produktliste prüfen. Spielzeug für Kinder unter drei Jahren ist seit dem 25. Dezember 2025 erfasst; Kinderbett-Schutzgitter und Kinderwagen wurden zum 8. Juli 2026 ergänzt. Produktgrenzen und Übergangsregelungen einzeln prüfen. |
| Lebensmittel oder Lebensmittelkontaktgeräte und -verpackungen — MHLW / japanisches Lebensmittelhygienegesetz (Food Sanitation Act); CAA / Lebensmittelkennzeichnung | Prüfen, ob bei gewerblicher Einfuhr eine Meldung an die MHLW-Quarantänestation notwendig ist; Anforderungen an Material und japanische Lebensmittelkennzeichnung gesondert beurteilen. |
| Medizinprodukt oder Kosmetikum — MHLW / PMD Act, gegebenenfalls PMDA | Die rechtliche Einordnung anhand Zweck und Aussagen bestimmen. Für Medizinprodukte hängen Meldung, Zertifizierung oder Zulassung von Risikoklasse und geeigneter japanischer Zulassungsstruktur ab. |
| Chemischer Stoff oder erfasster Haushaltsartikel — METI und weitere Behörden / CSCL; CAA / japanisches Gesetz über Qualitätsangaben bei Haushaltswaren (Household Goods Quality Labeling Act) | Bei Stoffen Identität, Importstatus und Ausnahmen prüfen; bei Textilien und sonstigen gelisteten Haushaltswaren vorgeschriebene japanische Qualitätsangaben. Nicht jede Fertigware fällt automatisch darunter. |
Ein Produkt kann mehrere Prüfwege auslösen
Beispiel: Ein WLAN-Küchengerät mit Netzadapter kann eine PSE-Prüfung des Adapters, eine MIC-Prüfung des Funks und bei Lebensmittelkontakt eine Prüfung nach dem japanischen Lebensmittelhygienegesetz erfordern. Keine einzelne Freigabe ersetzt die übrigen Pflichten.
Auch für Spielzeug für Kinder unter drei Jahren ist eine aktuelle PSC-Einordnung erforderlich, selbst wenn ausländische Prüfberichte vorliegen. Diese kommen erst nach Prüfung japanischer Produktgrenzen, Verfahren und Anerkennungsregeln als Nachweis in Betracht.
Verantwortlichen Rechtsträger vor Prüfungen bestimmen
Im klassischen Importweg treffen PSE-/PSC-Pflichten den jeweils meldepflichtigen Hersteller oder Importeur, nicht automatisch die ausländische Fabrik. Medizinprodukte haben eigene japanische Zulassungsstrukturen, Lebensmitteleinfuhren ein auf den Importeur bezogenes Meldeverfahren. Es gibt keinen einheitlichen Vertreter für alle Rechtsgebiete.
Seit dem 25. Dezember 2025 können ausländische Direktverkäufer von Waren im Anwendungsbereich der vier Produktsicherheitsgesetze ohne inländischen Importeur als besondere Importbetreiber gelten und einen inländischen Verwalter benötigen. Prüfen Sie das Geschäftsmodell vor Festlegung des Meldepflichtigen.
Fünf Freigabestufen bis zum Verkauf
- SKU und Verwendungszweck festlegen: Spezifikationen, Zeichnungen, Aussagen, Altersgruppe, Zubehör und japanischen Vertriebskanal.
- Jedes mögliche Regelwerk prüfen und Entscheidungen einschließlich begründeter Ausnahmen dokumentieren; Zweifel an Behörde oder Fachstelle weitergeben.
- Verantwortliche je Regelwerk zuordnen und erforderliche Meldungen, Konformitätsbewertungen, Prüfungen sowie japanische Kennzeichnungen vor Produktionsfreigabe definieren.
- Japan-spezifische Nachweise abschließen und Produkt- sowie Verpackungskennzeichnung mit der genehmigten oder gemeldeten Konfiguration abgleichen. Die Zollfreigabe ist kein Verkaufsnachweis.
- Verkauf erst nach Abschluss aller einschlägigen Schritte freigeben; Unterlagen aufbewahren und bei Änderungen an Bauteilen, Firmware, Aussagen, Zielgruppe oder Vertriebsmodell neu prüfen.
Mindestunterlagen für eine belastbare Einstufung
- Modell-/SKU-Liste, Verwendungszweck, Werbeaussagen, Zielalter und japanische Vertriebswege.
- Stückliste, Netzwerte, Adapter- und Batteriedaten, Funkmodule, Frequenzen, Antennen und gegebenenfalls Firmwarestand.
- Fotos, Zeichnungen und Versionen der für Japan vorgesehenen Etiketten, Warnungen, Anleitungen und Verpackungen.
- Vorhandene Prüfberichte und Zertifikate mit Aussteller, exaktem Modell und genauer Konfiguration, Norm und Datum sowie den von ihnen nicht abgedeckten Anforderungen.
- Identität von Hersteller, Importeur und Verkäufer, Verantwortungsvereinbarungen, vorgesehener Einfuhr- oder Direktvertriebsweg und offene Einstufungsfragen.
Nächsten fachlichen Prüfweg wählen
Diese Seite ordnet mehrere Branchenregeln ein, erläutert aber kein einzelnes Zulassungsverfahren vollständig. Bei möglicher PSE-Pflicht führen die folgenden Spezialseiten zu Beratung und Prüfungen. Für Funk, Lebensmittel, Medizinprodukte, Kosmetik, Chemikalien und Kinderprodukte ist zunächst das zuständige amtliche Regelwerk zu prüfen und eine produktspezifische Bewertung einzuholen; diese Seite bietet intern nur die beiden nachstehenden PSE-Spezialverweise.
PSE-Einstufung und Strategie für Japan · PSE-Prüfungen und Nachweise für Japan
Amtliche Ausgangsquellen zur Geltungsprüfung
- METI — Sicherheit elektrischer Geräte und Materialien
- METI — Produktsicherheitsgesetz und PSC-Kategorien
- METI — ausländische Direktverkäufer nach den Produktsicherheitsgesetzen
- MIC — technische Konformität von Funkanlagen
- PMDA — Medizinprodukte: Klassen und Zulassung
- MHLW — Lebensmittel-Einfuhrmeldungen
- CAA — Qualitätskennzeichnung bestimmter Haushaltswaren
Entscheidende Abgrenzungsfragen
Genügen CE-Kennzeichnung oder FCC-Bericht für ein vernetztes Gerät in Japan?
Nein. Sie bestimmen weder die PSE- noch die japanische Funkrechtspflicht und erfüllen nicht automatisch die nationalen Anforderungen. Netzversorgung und Funk getrennt einstufen und vorhandene Prüfungen bewerten.
Erspart ein bereits zertifiziertes WLAN-Modul die Prüfung des Gesamtgeräts?
Nicht automatisch. Modul, Antennen, Firmware und Endkonfiguration mit Umfang und Bedingungen der japanischen Zulassung vergleichen; bei Veränderungen die zuständige Konformitätsbewertungsstelle fragen, ob eine weitere Bewertung nötig ist.
Darf ein ausländischer Marktplatzverkäufer weiter vom alten Importeurmodell ausgehen?
Nur nach Prüfung der tatsächlichen Lieferkette. Direkte Verkäufe erfasster Produkte können seit dem 25. Dezember 2025 Pflichten als besonderer Importbetreiber samt inländischem Verwalter auslösen.
Gelten dieselben PSC-Vorschriften für alle Spielsachen und Kinderwagen?
Nein. Definition und Datum sind entscheidend: Spielzeug für Unter-Dreijährige seit 25. Dezember 2025, Kinderbett-Schutzgitter und Kinderwagen seit 8. Juli 2026. Übergangsbestimmungen für den konkreten Bestand prüfen.
Darf eine zollrechtlich freigegebene Sendung sofort verkauft werden?
Nicht zwingend. Eine Einfuhrgenehmigung ist keine umfassende Produktsicherheitszulassung. Vor dem Angebot sämtliche Meldungen, Konformitätsbewertungen, japanische Kennzeichnungen und Verkaufsbeschränkungen kontrollieren.